Sofortbedürfnisse und Fischbrötchen

Glücksspielgerät in der Kindergrippe

Merle möchte vorbei. Vorbei an Lukas. Schnell! Lukas trippelt mit unbeholfenen Schritten auf der Stelle. Das geht Merle nicht schnell genug. Schubs. Lukas landet auf dem dank Windel (noch) gut gepolsterten Boden der Tatsachen und schreit. Merle ist das egal. Merle hat ein Ziel in ihrer kleinen Welt der kindlichen Sofortbedürfnisse: das Holzschiff!

Lukas schreit noch immer. Mit Schnuller im Mund ziemlich schwierig. Also wird Schnulli ausgespuckt. Schreien, trösten und beruhigen und Schnulli`s abwaschen. Und darauf achten, dass Kinder wie Merle nicht “über Bord gehen.”

Ich bin angekommen. Wieder einmal kreuzt mein beruflicher Weg eine Reha Klinik. Auf Sylt war ich schon. Da war der Weg in den Pausen zum Fischbrötchen nicht zu schaffen. Hier schon. 5 Euro.

Fortsetzung folgt…

Erlebnisse eines Zeitarbeit-Erziehers: Freund Dino (1)

Seit Ende Februar arbeite ich für eine Zeitarbeitsfirma als Erzieher. Freiwillig und bewusst. Ich bin Teil der Teams und wieder doch nicht. Auf Beziehungen einlassen und wieder verlassen. Mit den Augen eines (Zeitarbeit) Erziehers werde ich hier zukünftig über Begebenheiten, Betrachtungsweisen und Erfahrungen aus dem Arbeitsleben schreiben. Viel Spaß beim Lesen.

“Ich kann ohne “Dino” nicht leben”, kreischte die 5-jährige Svea und ließ sich demonstrativ auf ihre Knie fallen. Ein Weinen ohne Tränen folgte, lockte jedoch Dino nicht aus seinem Versteck. Unter schluchzen beteuerte Svea dass “Dino” ihr Ein und Alles wäre und sie ohne Dino nicht leben könnte. 

Ich war verblüfft über dieses melodramatische Ereignis zu meinen Füßen, welches mich an mittelmäßige TV Soaps erinnerte. Wer oder was ist Dino?  Ein anderes Kind, ein Kollege, der seinen letzten Arbeitstag hatte?

Bild von Dimitris Vetsikas auf Pixabay 

Svea wurde von den Erzieherinnen gebeten, sich ein anderes Spielzeug zu suchen, da auch andere Kinder mit Dino spielen dürfen. “Aha”, dachte ich mir, die Erklärung kommt näher. Die Aussage der auf der Bank sitzenden Kolleginnen konnte sie nicht akzeptieren und weinte noch lauter, diesmal mit Tränchen, die langsam zu Boden fielen.  

Dino und Svea oder Svea und Dino gehören zusammen. Diese Erkenntnis offenbarte sich mir allerdings erst einige Tage später. Der dreijährige Tom sah das anscheinend auch so und nahte zur Erlösung, zur Beendigung der Trauer. Er brachte, unter dem Arm geklemmt, Plastikdinosaurier Freund” Dino” zu Svea. Svea sprang beglückt auf und schloss “ihren” Dino in die Arme.

Svea ist jeden Tag überglücklich, wenn ihr” bester Freund” Dino schon in der großen Spielzeugkiste auf dem Kita-Außengelände wartet. Das wissen auch die älteren Kinder und rühren Dino nicht an.

Interesse an Dino ist auch Interesse an Svea. Svea kennt mittlerweile meinen Namen und begrüßt mich, wenn sie mich auf dem Spielplatz sieht. Gelegentlich serviert sie” Sandkuchen”. Eine Spezialität in Sandkistenförmchen oder Eimern, liebevoll angereicht von (ihren) kleinen Kinderhänden. Danke Svea. Ich sehe dich.